Bernard Challandes: Emotional im Glück wie im Leiden.(© Keystone)

Emotional im Glück wie im Leid: Bernard Challandes.

Das Fussballspielen hat der amtierende Schweizer Meister nicht verlernt. Das bewies er beim Champions-League-Coup in Mailand, das deutete er auch in den letzten zwei Spielen in der Liga gegen Basel und Sion an.

Ähnlich oft offenbarte das Zürcher Team aber auch Mutlosigkeit und fehlenden Siegeswillen. Bestes Beispiel dazu war das Hinspiel gegen Marseille im Letzigrund. Vom vor dem Spiel zur Schau gestellten Selbstvertrauen war auf dem Platz plötzlich nichts mehr zu sehen. Der FCZ war von zwei schwachen Equipen die schlechtere.

Rätseln über die verlorene Stabilität

Bernard Challandes und seine Kollegen rätseln über die verlorengegangene Stabilität der Mannschaft. «Wir haben den Spagat nicht geschafft», gibt Präsident Ancillo Canepa zu. Mal wird die mental schwierige Umstellung zwischen der Königsklasse und der Super League als Grund vorgeschoben, dann ist es die körperliche Belastung - und wenn das alles nicht als Erklärung dient, muss der «verstossene Sohn» Almen Abdi den Kopf hinhalten.

Der von Spielerkollegen zum besten Fussballer der letzten Super-League-Saison gewählte Mittelfeldspieler figuriert nicht im Aufgebot für das Spiel in Südfrankreich.

Wer schiesst die Tore?

Tatsache ist, dass es dem FC Zürich ohne Abdi und dem verletzten Stürmer Eric Hassli in der Offensive an Durchschlagskraft mangelt. Der einzige regelmässige Torschütze ist Johan Vonlanthen, der aber die Lücke der zwei Abwesenden alleine nicht ausfüllen kann. Gefragt ist deshalb eine geschlossene Mannschaftsleistung. Dank dem Erfolg bei der AC Mailand hat der FCZ immerhin die Gewissheit, in der Champions League gewinnen zu können, wenn die Solidarität im Team da ist.

Ohne Druck spielt der FCZ beschwingt

Die Limmatstädter schöpfen noch aus anderen Gründen Zuversicht: Erstens bekundet auch Marseille Probleme - zuletzt kam die Mannschaft von Didier Deschamps trotz 80-minütiger Überzahl zuhause nicht über ein Remis hinaus. Zweitens spielte der FC Zürich immer dann besonders stark, wenn die Erwartungen tief waren. So schaffte das Team in der CL-Qualifikation gegen Maribor noch die Wende nach einer bitteren Heimniederlage, so überraschte der FCZ auch in Mailand nach der Pleite im Letzigrund gegen Real Madrid beim ersten Auftritt in der Königsklasse.

«Können einen grossen Schritt machen»

Verständlich ist deshalb, dass Coach Challandes trotz ausgeglichenem Hinspiel die Favoritenrolle Marseille zuschiebt: «Marseille bleibt das grosse Team und wir das kleine», wiederholt der Romand vor dem Rückspiel. Zu den Chancen seines Teams meint er bescheiden: «Wir wissen, dass wir mit einem Sieg einen grossen Schritt näher an den dritten Gruppenrang herankommen könnten. Das macht einen undenkbaren Traum zu einem denkbaren Traum.»