Hängende Köpfe bei den FCZ-Spielern nach der Pleite von Marseille.(© keystone)

Hängende Köpfe bei den FCZ-Spielern nach der Pleite von Marseille.

Trainer Bernard Challandes und sein Team waren zwar als Aussenseiter nach Marseille gereist, aber doch mit der Hoffnung auf einen Exploit. Schon nach 12 Minuten und dem 0:2 allerdings konnte der FCZ seine Ambitionen auf ein gutes Resultat begraben.

Zwar hätte der zweite Treffer wegen Offsides nicht zählen dürfen und dem ersten Tor der Franzosen ging ein fragwürdiger Foulpfiff voraus. Dass Challandes beide Tore als «Skandal» bezeichnete und verlangte, dass «der Schiedsrichter auch mal einen Fehler für uns pfeifen könnte», ist aber übertrieben und lenkt von der überaus blutleeren und pomadigen Leistung seiner eigenen Mannschaft ab.

«Es ist bitter, so zu verlieren»

Der FC Zürich ist im «Stade Vélodrome» selten so aufgetreten, dass man ihm eine realistische Chance auf einen Punkt hätte einräume können. Die Zürcher verpassten es, das Momentum nach Alphonses Anschlusstreffer für weitere Offensivaktionen zu nutzen, liessen sich in den letzten zehn Minuten der Partie völlig gehen. «Es war unnötig, dass wir uns am Schluss so abschlachten liessen», sagte Silvan Aegerter. Und Johnny Leoni fand: «Es ist bitter, so zu verlieren.»

Challandes monierte die Naivität seines Teams nach dem 1:3. Er fand, dass der FCZ zu übermütig gespielt hatte, anstatt grösseren Schaden zu verhindern. Ganz zum Schluss konnte der Romand der Pleite doch noch etwas Positives abgewinnen. «Das 1:6 ist hart, aber wir können daraus lernen», meinte Challandes.

Die grosse Party ist wohl vorbei

Ein Blick auf die Tabelle zeigt: Der FCZ braucht ein Wunder, damit er auch im Frühjahr noch europäisch spielt. Die Zürcher müssen in beiden restlichen Spielen gegen Madrid und Milan punkten, um wenigstens Rang 3 und damit die Teilnahme an der K.o.-Phase der Europa League zu erreichen. Realistisch gesehen ist die europäische Saison für Zürich nach der CL-Gruppenphase indes beendet.

Damit hatte der FCZ spätestens seit der Auslosung rechnen müssen. Wirklich schmerzen dürften die Zürcher deshalb die mageren Aussichten in den nationalen Wettbewerben. In der Super League hat sich der FCZ mit 15 Punkten Rückstand auf Leader YB wohl schon aus dem Meisterrennen verabschiedet, im Cup kommt mit dem Auswärtsspiel in Basel eine nicht eben einfache Aufgabe auf den FC Zürich zu.

Die Posse und Almen Abdi und die Abwanderungsgelüste einiger Spieler nach dem sich abzeichnenden Europacup-Out dürften dazu weiter für Unruhe bei den Zürchern sorgen. Und die Verletzung von Johan Vonlanthen die Stimmung weiter trüben. Die grosse Party scheint für den FCZ vorerst vorbei zu sein.
(fel)