SF-Experte Mario Rottaris.(© )

SF-Experte Mario Rottaris.

Mario Rottaris, wie wichtig ist der Deutschland-Cup für Ralph Krueger und sein Team?

Mario Rottaris: Ich glaube nicht, dass diese Spiele einen grossen Stellenwert haben für die Olympischen Spiele. Es geht noch viel zu lange bis zum Start. Man kann nicht sagen: Hier wird so trainiert, wie sich die Nati in Vancouver präsentieren will. Das ist sicher nicht der Fall. Bedeutend ist es aber für jüngere Spieler, die vielleicht neu dabei sind am Deutschland-Cup. Für die ist es wichtig, zeigen zu können: Achtung, ich kann international mithalten - oder ich kann nicht mithalten. Das kann für Olympia schon mal ein erster Schritt sein oder ein Misstritt. Für den grossen Rest der Mannschaft steht anderes im Vordergrund.

Nämlich?

Nämlich sich an einem Deutschland-Cup auf die eigenen Stärken und das eigene Spiel konzentrieren zu können. Bei Olympischen Spielen oder der WM kennt man die Gegner lange im Voraus. Da wird jede Mannschaft und jeder Spieler bis ins Detail zerlegt. Man fokussiert sich dann ganz spezifisch auf den Gegner. Am Deutschland-Cup ist das nicht so. Man weiss nie, wie die anderen Mannschaften daherkommen. Das ist eine Chance für die Schweizer Spieler. An ein Turnier zu gehen, auf einem hohen Rhythmus zu spielen zusammen mit Mannschaften, die auf Augenhöhe sind und sich auf das eigene Spiel konzentrieren.

Diverse Spieler haben abgesagt. Wieso?

Man sollte nicht über die sprechen, die nicht dabei sind. Das war auch immer mein Motto. Es interessiert nicht, warum dieser nicht da ist, ob der andere wirklich verletzt ist! Klar ist, dass nach einem intensiven Meisterschaftsstart beim einen oder anderen Abnützungserscheinungen auftreten. Es hat in der Schweiz 40 bis 50 Spieler, die in der Nationalmannschaft auf internationalem Niveau bestehen können und so ist es auch mit den 20, die am Deutschland-Cup spielen.

Ralph Krueger weiss, dass es seine letzte Saison ist. Was hat das für einen Einfluss auf seine Arbeit?

Ich glaube, es hat eher einen positiven Einfluss. Die Spieler, die jetzt dabei sind, die seinem Aufgebot Folge geleistet haben, wissen genau, dass sie ihm viel zu verdanken haben. Er hat als Nati-Coach jeden einzelnen Spieler auch im Klub irgendwie weiter gebracht. Sie werden jetzt als Nationalspieler gewertet. Und für Ralph Krueger ist es das Jahr mit den Olympischen Spielen in Kanada und der WM in Deutschland. Er wird sicher nicht alles über den Haufen werfen, weil er jemandem etwas beweisen will in seinem letzten Jahr. Ich glaube, er wird genau mit seinen Strukturen und Ideen weiterfahren und das Jahr voll motiviert zu Ende bringen.

Der neue Swiss-Ice-Hockey-Präsident Philippe Gaydoul hat für Wirbel gesorgt. Zum Beispiel mit einem Ultimatum, dass Krueger mindestens Olympia-Rang 8 erreichen muss...

Ein Ultimatum ist es in dem Sinn nicht unbedingt. Natürlich wird der Coach an den Resultaten gemessen, aber irgendwo sind auch die Spieler. Aus meiner Sicht ist für sie Rang 8 fast ein wenig unglücklich gewählt. Denn man weiss genau: Eigentlich will man mehr.

Krueger setzt grosse Hoffnungen in Hnat Domenichelli. Kann der Kanada-Schweizer die Sturmflaute beheben?

Ich habe schon das Gefühl, dass er ein Gewinn ist, absolut. Er hat seine Skorerqualitäten in der Liga bewiesen. Auf internationalem Niveau ist das ein wenig anders. Da muss der Spieler und jeder einzelne Block zuerst herausfinden, was für eine Zusammensetzung am besten ist und was probiert werden muss, damit Domenichelli seine brutalen Skorerqualitäten auch ausleben kann. Ein Domenichelli ist nicht in der Nationalmannschaft, um zu beissen, halten und klemmen. Ihn muss man schlussendlich so einsetzen können, damit er seine offensiven Qualitäten eben ausleben kann.

In Turin 2006 hat die Schweiz mit Siegen über Kanada und Tschechien aufhorchen lassen. Ist eine Steigerung überhaupt noch möglich?

Was die Gruppenphase anbelangt wohl nicht. Aber wenn wir die Gruppenphase erneut überstehen, dann kann man es natürlich toppen. Dazu muss im Viertel- oder gar Halbfinal eines der grossen Teams geknackt werden. Sonst ist nur die erneute Bestätigung da: Ja es ist Potenzial da, aber wenn es um die Wurst geht, fehlt immer noch viel.
(Interview: Boris Bögli)