'Ich will immer alles sofort'
'Ich will immer alles sofort'
Erser Platz in Magny-Cours 2008 (EQ)

Der letzte Eintrag in der Liste mit den selbstverschuldeten Ausfällen datiert von Ende März, als Massa im Grand Prix von Malaysia nach einem Dreher den Ferrari im Kiesbeet parkieren musste. Der Fehlstart in die Saison war perfekt, nach zwei Rennen stand Massa noch mit leeren Händen da - und abermals im medialen Kreuzfeuer der Kritik. Primär die Medien in Italien hatten die Messer wieder gewetzt und sich die Frage erlaubt, ob ein Fahrer mit derart hoher Fehlerquote für ein Team wie Ferrari überhaupt tragbar sei.

Sechs Rennen - null Fehler

Die kritischen Fragen verhallten indessen unbeantwortet, zumal nach Massas Sieg zwei Wochen später in Bahrain. Der Triumph in der Wüste sollte Massas bislang erfolgreichste Phase in der Formel 1 einläuten. Seither hat er zwei weitere Siege eingefahren und stand nur einmal nicht auf dem Podest, nämlich nach Rang 4 in Kanada. Massa scheint also auf bestem Weg, sein unbestritten immenses Talent ohne Umschweife endlich auszuspielen. Um indessen auch die Gruppe der permanenten Nörgeler überzeugen zu können, ist es unumgänglich, diesen Weg zumindest bis zum Ende der Saison weiterzugehen. Mit den sechs Grands Prix, die er zuletzt ohne grössere Unsicherheiten hinter sich gebracht hat, dürfte er noch nicht genügend Überzeugungsarbeit geleistet haben.

Seine Aussetzer sieht Massa als Folge des unbändigen Willens, ohne Warten und Umschweife Erfolg haben zu wollen. "Ich will immer alles sofort. Ich habe keine Geduld", sagt der 27-Jährige aus Sao Paulo über sich. Sein impulsives Naturell verhindere, in kritischen Situationen ruhig und cool zu bleiben. "Das hat der Südamerikaner anscheinend so an sich", glaubt Massa. Demgegenüber stellt er in Abrede, dem Druck nicht gewachsen zu sein. "Als Angestellter von Ferrari ist der Druck allgegenwärtig. Die Scuderia ist wie eine Religion. Es ist faszinierend zu sehen, welche Bedeutung Ferrari für seine Anhänger auf der ganzen Welt hat."

Auf Augenhöhe mit Räikkönen

Bei der Squadra aus Maranello fühlt sich Massa rundum wohl und vollends akzeptiert. Die Erfolge der letzten Monate und Wochen sorgten für zusätzliches Selbstvertrauen. "Ich bin nicht die Nummer zwei bei den Fahrern. Es gibt bei uns Fahrern keine Hierarchie. Leistungsmässig sehe ich mich auf einer Stufe mit Kimi Räikkönen." Mit dem Titelhalter aus Finnland pflegt Massa, trotz unterschiedlicher Charaktere, ein kameradschaftliches Verhältnis. "Das beschränkt sich allerdings auf unseren Beruf. Über Privates sprechen wir kaum miteinander. Er ist in seiner Welt und ich in meiner. Deshalb kann ich auch nicht sagen, wir wären Freunde."

Eine echte Freundschaft verbindet Massa mit Peter Sauber. Der frühere Patron hatte ihm vor sechs Jahren den Einstieg in die Formel 1 ermöglicht. Der Premierensaison folgte ein Übergangsjahr als Testfahrer bei Ferrari. Jean Todt, der damalige Teamchef der "Roten" und Massas zweiter Fürsprecher, hatte es so gewollt. Nach zwei weiteren Saisons im Zürcher Rennstall folgte der Übertritt als Stammfahrer zu Ferrari. An der Seite von Michael Schumacher reifte er zum Siegfahrer. Er profitierte aber auch in technischen Belangen als Compagnon des siebenfachen Champions. "Ich habe ihn immer beobachtet, was er tat, in jedem Training und jedem Rennen. Ich habe unheimlich viel gelernt und profitiert in jenem Jahr."

Sennas verweigertes Autogramm

Zu Massas Idolen zählt neben Michael Schumacher natürlich auch Ayrton Senna - wie der aktuelle WM-Führende ein Paulista. "Er war der Grösste. Ich war ein grosser Fan von ihm und bin es heute noch. Er war ein Fahrer mit unglaublichem Talent", schwärmt Massa von seinem vor 14 Jahren in Imola tödlich verunfallten Landsmann. Er habe Senna nie kennen gelernt, an die erste Begegnung erinnere er sich aber sehr wohl. "Ich war achtjährig und hatte Ayrton in einem Ferienclub um ein Autogramm gebeten. Er schickte mich weg ohne meinen Wunsch zu erfüllen." Das sei für ihn eine lehrreiche Lektion gewesen, sagt Massa. "Nie im Leben werde ich jemandem ein Autogramm verweigern." Gut zu wissen für die Anhänger von Massa und Ferrari. Der Schriftzug des Südamerikaners könnte am Ende der Saison jener des neuen Weltmeisters sein. Dazu sind aber weitere fehlerfreie Vorstellungen ein absolutes Muss.

von David Bernold

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