
Der Finalabend war von A bis Z spanisch geprägt. Enrique Iglesias machte mit dem offiziellen EM-Song den Auftakt, am Ende tanzten die Spieler durch die Mixed-Zone und sangen "Y viva España". Und dazwischen sagte Torschütze Torres: "Das beste Team hat die EM gewonnen."
''Geht auf sie los''
Vielleicht sah die UEFA das sportliche Ende der EM voraus, als sie irgendwann im Frühling entschied, den Spanier Enrique Iglesias den offiziellen UEFA-EURO-2008-Song singen zu lassen. Vor dem Final hatte der 33-jährige Madrider seinen grossen Auftritt im Wiener Stadion. Sehr spanisch war sein Pop-Beitrag "Can You Hear Me" jedoch nicht. Der Song war vor allem sehr laut.
Zwei Stunden später tanzte dann aber auch er irgendwo auf der Tribüne mit seinen Landsleuten zu den Liedern, die durch die berauschenden Darbietungen der "Seleccion" in den letzten Wochen zu den inoffiziellen Songs der EM wurden. "A por ellos" ("Geht auf sie los") ist eine dieser Hymnen. Aufgenommen wurde sie mit dem Nationalteam vor der WM 2006. Zum Kassenschlager wurde sie freilich erst jetzt mit zweijähriger Verzögerung.
Polonaise in Unterwäsche
Daneben erlebte der jahrzehnte alte Evergreen "Y viva España" von Manolo Escobar in Wien in den letzten Tagen sein x-tes Revival. Zu seinen Rhythmen hüpften die spanischen Helden wie rote Furien gegen Mitternacht verschwitzt und in Unterwäsche, angeführt von Captain Iker Casillas, durch die Mixed-Zone, während die ersten geschlagenen Deutschen bereits artig den wartenden Journalisten die ersten Interviews gewährten. Wie Kinder, die im Park spielen, müsse man solche Gelegenheiten geniessen, hatte Cesc Fabregas am Tag vor dem Final gesagt. Diese Momente brauchten weder einen Park noch weitere Worte. Die spanischen Männer waren wieder Kinder geworden.
Einer, den sie schon vor dem Triumph "El Niño", das Kind, nannten, war bei der Polonaise in den stickigen Stadionkatakomben nicht dabei. Fernando Torres, der Schütze des Siegestores, sass als "Man of the Match" im Pressesaal und gab Auskunft. Als Held des Finals und als frisch dekorierter Europameister sagte er, was die Zuschauer weltweit in den drei Wochen zuvor auch gesehen hatten. "Es ist schön, dass die beste Mannschaft diesen Titel gewonnen hat."
Folgt Del Bosque auf Aragones?
Für Torres, der schon U17- und 19-Europameister geworden war, ist es der erste internationale Erfolg, seit er dem Kindesalter entwachsen ist. Geht es nach seinem scheidenden Nationaltrainer Luis Aragones, soll es aber nicht der letzte sein. "Er kann ein ganz grosser werden, der alles schaffen kann."
Auch das spanische Team soll nach der Zeit von Aragones, der mit Fenerbahce Istanbul in Verbindung gebracht wird und als dessen Nachfolger der frühere Erfolgstrainer von Real Madrid, Vicente Del Bosque, gehandelt wird, nicht vom Erfolgspfad abkommen. "Unser Fussball könnte ein Modell für die Zukunft sein", so der bald 70-Jährige. "Alle, die Fussball sehen wollen, wollen auch Tore sehen. Wir haben ihnen diese gegeben. Das ist eine positive Mannschaft." Y viva España!
von Stefan Wyss
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