
Zwei Jahre war er weg, nun ist Marcello Lippi zurück an alter Wirkungsstätte. Italien begibt sich nach dem erfolglosen Intermezzo mit EM-Verlierer Roberto Donadoni also mit dem WM-Helden auf die Mission Titelverteidigung 2010 in Südafrika.
Wie eine Mischung aus Putschist und Messias kehrte der 60 Jahre alte Trainer bei seiner offiziellen Vorstellung in Rom an die Spitze seiner geliebten "Azzurri" zurück. "Ich bin sehr glücklich, wieder auf meinem Posten zu sein und dort weiterzumachen, wo ich 2006 aufgehört habe", versprach Lippi das grosse Comeback der Weltmeister: "Italiens Fussball ist allererste Klasse!"
"In den letzten zwei Jahren habe ich zwar ein paar Kilo zugenommen, aber jedes nur mögliche Spiel gesehen", versicherte der weisshaarige Coach den Tifosi, längst nicht zum alten Eisen zu gehören. "Mit 60 Jahren fängt das Leben an", sagte der braungebrannte Toskaner.
Mit "der richtigen Mischung aus erfahrenen Weltmeistern und jungen Spielern will Lippi die Squadra Azzurra zu einer offensiven und sofort erfolgreichen Zukunft" führen. Lippis "höchste Motivation" stellt niemand infrage, seine Erfahrung als langjähriger Star-Trainer von Juventus Turin und Weltmeister 2006 beruhigt. "Lippi ist eine Garantie", sagte der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Gianni Petrucci. "Ich bewundere ihn sehr und bin ihm sehr dankbar", sagte Mittelfeldspieler Daniele De Rossi, der unter Lippi bei der WM debütiert hatte.
Mit altem Team zu neuen Ufern
Der neue Betreuerstab steht bereits. Narciso Pezzotti kehrt als Co-Trainer an Lippis Seite zurück, Ciro Ferrara wird sein Assistent und Ex-Torwart Angelo Peruzzi soll neuer Teammanager werden. Von langer Hand hatte Lippi sein Comeback vorbereitet. "Ich hatte viele Angebote von Clubs und Nationen, aber vor der EM wurde die Lust übergross, meinen Posten wieder einzunehmen", sagte Lippi in Rom.
Seine Rückkehr riecht ein wenig nach Putsch. Noch wenige Tage vor dem EM-Start lud Lippi seinem glücklosen Nachfolger eine tonnenschwere Last auf die Schultern, als er Italien zum Titelfavoriten Nummer 1 erklärte. "Kein Team ist stärker als Italien", sagte Lippi. Der Titelgewinn war damit Pflicht. Als Italien im Viertelfinale mit 2:4 im Elfmeterschiessen gegen Spanien ausschied, war Donadonis Schicksal besiegelt. "Wäre die EM besser gelaufen, wäre ich jetzt noch am Meer", meinte Lippi süffisant. Er räumte aber immerhin ein, dass "die letzten beiden Jahre für Italien nicht verloren" seien.
Zerknirschter Toni begrüsst Lippi
"Ich wünsche ihm viel Glück", begrüsste Bayern Münchens Stürmerstar Luca Toni seinen alten, neuen Boss, und fühlte sich offenbar etwas schuldig, dass Lippi nun wieder das Kommando hat. "Vielleicht war auch ich dafür mitverantwortlich, ich weiss es nicht", gab sich Toni wegen seiner zahlreichen vergebenen Torchancen zerknirscht. "Für Donadoni tut es mit ehrlich leid", meinte der bei der EM torlos gebliebene Stürmer.
Auch unter Lippi wird Toni die Nummer 1 im Sturm der Italiener bleiben. Schnellstmöglich will er seine Ladehemmung loswerden. Die beste Möglichkeit wären die ersten WM-Qualifikationsspiele am 6. September auf Zypern und vier Tage später zu Hause gegen Georgien.
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