
Der nach dem Vorrunden-Aus seiner Mannschaft in die Kritik geratene Raymond Domenech bleibt weiterhin Trainer der französischen Nationalmannschaft.
"Ich wollte keine Entscheidung aus emotionalen Gründen", erklärte der Präsident des Französischen Fussball-Verbandes (FFF), Jean-Pierre Escalettes, in Paris. "Domenechs Bilanz als Trainer ist nicht so schlecht. Sie ist nicht katastrophal. Er hat uns zweimal nacheinander zu grossen Turnieren gebracht."
Allerdings werden die "Bedingungen seiner Amtsausübung" und des Managements der Nationalmannschaft überarbeitet, wie es Escalettes diplomatisch formulierte. Zudem solle das Team mit den Medien "versöhnt" werden. Heisst im Klartext: Domenech soll nicht mehr so selbstherrlich agieren können wie bisher.
Aussendarstellung soll verbessert werden
Diskutiert wird auch darüber, ob der 56-Jährige einen Kommunikationsdirektor zur Seite gestellt bekommt - zur Verbesserung der Aussendarstellung und der Zusammenarbeit mit der von ihm nicht gerade heiss geliebten Presse.
"Er hat jetzt nur noch eine Mission: sich auf das zu konzentrieren, was auf dem Platz passiert", sagte Escalettes. "Die Kommunikation muss auf das französische Team fokussiert sein und nicht auf persönliche Belange." Domenech wurde sein kauziger Umgang mit der Presse vorgeworfen und dass er seine Spieler zu sehr von Fans und Medien abschotte. Für grosse Irritationen hatte auch sein unmittelbar nach dem EM-Aus via TV geäusserter Heiratsantrag gesorgt.
"Rettet den Soldaten Domenech"
Mehrere Stunden berieten die 21 Mitglieder des Verbandsrates am Sitz des FFF am Boulevard de Grenelle über das Schicksal Domenechs. Punkt 13 Uhr trat Escalettes vor die Presse, verkündete die - zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr unerwartete - Entscheidung und beendete den "lähmend komatösen Zustand" (kicker) im Land des Vize-Weltmeisters.
Am 17. Juni hatten sich die Franzosen nach einer enttäuschenden Europameisterschaft mit einer Niederlage gegen Italien aus Österreich und der Schweiz verabschiedet. Seit diesem Tag debattierten Spieler, Präsidenten, Ehemalige, Fans und Medien nahezu ununterbrochen über die Causa Domenech. "Rettet den Soldaten Domenech" hatte Le Parisien geschrieben.
WM-Elf von 1998 gegen Domenech
Das Zentralorgan des französischen Sports veröffentlichte sogar eine Tabelle mit Fürsprechern und Gegnern des 56 Jahre alten Nationaltrainers. L'Équipe notierte auf der pro-Domenech-Seite die Bayern-Profis Franck Ribéry und Willy Sagnol, FFF-Präsident Escalettes, Liga-Boss Frederic Thierez und sogar UEFA-Präsident Michel Platini und Staatspräsident Nicolas Sarkozy.
Fast die komplette Weltmeister-Elf von 1998 dagegen sprach sich gegen Domenech aus. Als Favorit auf dessen Nachfolge galt Didier Deschamps - der General der WM-Helden von 1998 wurde jetzt erst einmal ausgebremst.
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