
Jürgen Klinsmann hält den FC Bayern mit seinen Personal-Rochaden weiter in Atem - der Befreiungsschlag blieb aber auch gegen Olympique Lyon aus. Das Kopfballtor von Zé Roberto beim 1:1 (0:1) gegen Frankreichs Serienmeister bewahrte den Trainer-Neuling einstweilen vor noch grösseren Turbulenzen und hielt die in der Bundesliga kriselnden Münchner wenigstens in der Champions League auf Achtelfinal-Kurs.
"Wenn wir die Tabelle anschauen, war dieses Unentschieden fast ein Sieg", sagte Manager Uli Hoeness angesichts des 0:0 zwischen Florenz und Steaua Bukarest. "Wir können sehr zufrieden sein. Lyon spielt man nicht an die Wand." Mit vier Punkten führen die Bayern die Tabelle der Gruppe F vor Lyon und Florenz (beide 2) sowie Bukarest (1) an.
Luca Toni weiter im Pech
"Wir sind stark gestartet in die Champions League", kommentierte Klinsmann, der schwärmte, wie "hervorragend" seine Mannschaft auf das Eigentor von Martin Demichelis (25.) reagiert hatte. Kampf und Moral stimmten, auch Wirbelwind Franck Ribéry ist wieder im Kommen, nur das Ergebnis war ärgerlich. "Es haben immer ein paar Zentimeter gefehlt", stöhnte der vom Schussglück völlig verlassene Torjäger Luca Toni.
"Es war beeindruckend, was die Mannschaft geleistet hat. Wir hatten genug Möglichkeiten, um das Spiel mit zwei, drei Toren Unterschied zu gewinnen", meinte Klinsmann und richtete den Blick gleich nach dem Schlusspfiff auf den Krisenherd Bundesliga: "Jetzt haben wir am Samstag gegen Bochum ein bisschen was zu korrigieren."
Rotation sollte Stabilität in die Defensive bringen
Immer rasanter werden Klinsmanns eigene Kurs-Korrekturen. Auch gegen Lyon verblüffte der Coach mit einer neuen Aufstellungsvariante, die neben der Demontage von Kapitän Mark van Bommel die überraschende Versetzung von Abwehrchef Demichelis auf die vom Argentinier ungeliebte Sechser-Position vorsah. Zudem feierte der 18-jährige Breno auf dem Demichelis-Posten sein Champions-League-Debüt.
"Für uns war die Massnahme wichtig, um Stabilität ins defensive Mittelfeld zu bringen. Da hatten wir zuletzt Probleme", erläuterte Klinsmann die Verschiebung von Demichelis. Das zur Vorsaison praktisch unveränderte und als Double-Gewinner gefeierte Team sieht er in der Neufindung - "und die funktioniert in erster Linie über Leistung".
Hoeness verteidigt Klinsmanns Entscheidungen
Während Franz Beckenbauer es beim TV-Sender Premiere als "vielleicht gar nicht so geschickt" beurteilte, dass Klinsmann den auf die Bank verdonnerten van Bommel überhaupt zum Kapitän ernannte, gab Hoeness dem Trainer Rückendeckung. Die Diskussion um den Kapitän sei "lächerlich", polterte der Manager: "Offenbar hat der Mark nach Jürgens Meinung zuletzt schlecht gespielt."
Van Bommel erduldete sein erneutes Bank-Los schweigend, während Klinsmann rühmte, dass der Niederländer die Entscheidung "mit viel Charakter" hingenommen habe. Hoeness verteidigte Klinsmanns sprunghafte Vorgehensweise ohne Rücksicht auf Hierarchien und Namen. "Man muss dem Trainer das Recht geben, die Mannschaft aufzustellen, von der er meint, dass sie die beste ist", sagte der Manager. Auch ein Lukas Podolski sitze "mit Recht" auf der Ersatzbank.
Lucio und Demichelis wurden fast handgreiflich
Vor dieser setzte Zé Roberto ein Zeichen, als er nach seinem erst zweiten Tor im 75. Champions-League-Spiel in Klinsmanns Arme stürmte, worauf sich eine kollektive Jubeltraube um den Coach bildete. "Das war schon ein Zeichen", kommentierte Torvorbereiter Miroslav Klose. Wie angespannt das Binnenklima ist, dokumentierte eine andere Szene.
Fast handgreiflich gerieten in der zweiten Spielhälfte Lucio und Demichelis auf dem Rasen aneinander, Bastian Schweinsteiger musste die Streithähne trennen. "Das ist absolut okay. Beide sind voller Emotionen, voller Willenskraft", beschwichtigte Klinsmann. Auch Beckenbauer bewertete den Clinch der Südamerikaner positiv: "Da sieht man, dass die Mannschaft lebt."
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