DFB-Team verliert Klassiker gegen England
DFB-Team verliert Klassiker gegen England
Simon Rolfes hatte einen schweren Stand (dpa)

Die deutsche Nationalmannschaft hat ihr Länderspiel im Berliner Olympiastadion gegen England völlig verdient mit 1:2 (0:1) verloren. Die 74.244 Zuschauer sahen einen äusserst schwachen Auftritt der DFB-Auswahl, die sich mit der dritten Niederlage aus dem Länderspieljahr 2008 verabschiedete.

Die erste Überraschung hatte Bundestrainer Joachim Löw bereits vor dem Spiel serviert. Mit Marvin Compper gab er dem 20. Debütanten in seiner Ära als Bundestrainer eine Chance. Der Hoffenheimer kam als linker Aussenverteidiger zum Einsatz. Im Tor stand wie erwartet René Adler. Die Innenverteidigung bildeten Heiko Westermann und Per Mertesacker. Auf der rechten Seite verteidigte Arne Friedrich.

Auf den Aussenbahnen im Mittelfeld kamen Bastian Schweinsteiger und Piotr Trochowski zum Einsatz, den defensiven Part übernahmen Simon Rolfes und Jermaine Jones, der zum ersten Mal in der DFB-Startelf stand. Miroslav Klose und Mario Gomez stürmten für das Löw-Team.

England begann offensiv

England suchte gleich zu Beginn der Partie die Offensive, doch die erste gute Chance gehörte der deutschen Auswahl. Eine Flanke von Trochowski konnte Gareth Barry nach einem Patzer von Keeper David James gerade noch vor Schweinsteiger klären (9. Minute). Ansonsten gehörte die Anfangsviertelstunde den Three Lions, die sich aber keine Möglichkeiten herausspielen konnten.

Einen Fussball-Leckerbissen bekamen die Zuschauer wahrlich nicht geboten. Die feldüberlegenen Engländer blieben ein ums andere Mal in der deutschen Abwehr hängen und die DFB-Elf zeigte Schwächen im Spielaufbau, vor allem Schweinsteiger versprang der Ball des öfteren und sorgte so für einige Ballverluste.

Nicht überraschend kam dann die Gäste-Führung. Nach einer Ecke flog Adler bedrängt von Jermain Defoe am Ball vorbei, die deutschen Verteidger schafften es nicht, das Leder aus dem Strafraum zu befördern und so war es Matthew Upson, der die Kugel ohne grössere Probleme im deutschen Tor unterbringen konnte (23.).

Sturm blieb blass

Die Antwort der Mannschaft von Jogi Löw liess nicht lange auf sich warten. Trochwoski zog einen Freistoss überraschend direkt auf das englische Tor, doch James war zur Stelle und konnte den Schuss parieren (26.). Nach einer halben Stunde fragten sich die Zuschauer auch erstmals, ob das DFB-Team überhaupt mit Stürmern angetreten war - bis zu diesem Zeitpunkt war von Klose und Gomez rein gar nichts zu sehen gewesen.

Dies sollte sich in der 31. Minute ändern, doch ein Kopfstoss Kloses verfehlte das Tor deutlich. Und auch die nächste gefährliche Situation resultierte aus einem Kopfball, doch diesmal war es Westermann, der nach einem Schweinsteiger-Freistoss am englischen Kasten vorbeiköpfte.

Spielerisch gelang der deutschen Mannschaft gegen die ohne acht Stammspieler angetretenen Engländer rein gar nichts. Einzig bei Standardsituationen kam etwas Gefahr auf, aber aus dem Spiel kam nichts. Der Auftritt der DFB-Auswahl im ersten Durchgang war eine Katastrophe. In der 45. Minute konnte sich Adler noch einmal auszeichnen. Einen Fernschuss von Stewart Downing parierte der Bayer-Torwart sicher.

Aufschwung durch Wechsel

England war der deutschen Mannschaft vor der Pause in allen Belangen deutlich überlegen. Und so war es nicht überraschend, dass Löw sein Team in der Halbzeit gehörig durchwechselte. Wie abgesprochen kam Torwart Tim Wiese für Adler, Patrick Helmes ersetzte Klose und Marko Marin kam für den schwachen Jones in die Partie. Doch die Wechsel brachten nicht den erhofften Umschwung und da auch die Engländer nicht mehr allzu viel für die Partie taten, verlor diese immer mehr an Niveau.

In der 57. Minute ersetzte Lukas Podolski den glücklosen und komplett unauffälligen Gomez. Fünf Minuten später überschlugen sich die Ereignisse, erst störte Wiese den frei vor ihm auftauchenden Darren Bent im letzten Augenblick, dann erzielte Helmes den zu diesem Zeitpunkt äusserst glücklichen Ausgleich (63.). Doch es passte zum Spiel, das der Treffer nicht aus einem gelungenen Spielzug der DFB-Elf resultierte, sondern aus einem katastrophalen Abwehrfehler der Engländer.

John Terry versuchte den Ball gegen Helmes abzuschirmen und so seinem zur Halbzeit eingewechselten Torwart Scott Carson zu ermöglichen, ihn aufzunehmen, doch Helmes bekam eine Fussspitze an das Leder, tunnelte Carson und hatte danach keine Mühe, ins leere Tor einzuschieben.

Terry köpft den Siegtreffer

Der nächste Wechsel in der deutschen Mannschaft folgte wenig später (68.): Serdar Tasci ersetzte den unauffälligen Friedrich. In der Folgezeit bemühte sich die deutsche Elf mehr um die Offensive, doch mehr als ein gefährlicher Fernschuss von Marin (73.) sprang für das Löw-Team nicht heraus. In der 78. Minute war dann auch der erste Länderspieleinsatz Comppers beendet. Er machte für Debütant Nummer 21 unter Löw Platz: Marcel Schäfer kam in die Partie.

Lange Zeit hatte man von den Engländern nichts mehr gesehen, in der 79. Minute nahm sich Shaun Wright-Philips ein Herz, doch Wiese konnte den fulminanten Schuss noch an den Aussenpfosten lenken. Fünf Minuten später war der Bremer Schlussmann dann aber doch geschlagen.

Nach einem Freistoss von Downing machte Terry seinen Fehler vor dem deutschen Ausgleich wieder gut, setzte sich im Kopfballduell gegen Westermann durch und erzielte die erneute Führung für die Gäste, die auch durchaus verdient war. Somit verabschiedete sich das DFB-Team mit einer Niederlage aus dem Länderspieljahr. Der schwache Auftritt seiner Mannschaft wird Löw sicherlich einiges zu denken geben.

Henning Schulz

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