
Ein Debütant und zwei Rückkehrer liefen beim 1:0-Sieg der Nati über Finnland auf. sportal.ch bewertet wie gut Wölfli, Ziegler und Dzemaili gespielt haben und sagt, ob jetzt einer der Arrivierten zittern muss.
MARCO WÖLFLI
Marco Wölfli kam in der St. Galler AFG-Arena zu seiner Premiere. Diese verlief für ihn optimal, denn trotz der wenigen finnischen Angriffe war er stets hellwach und konnte sich auszeichnen. In Erinnerung bleibt seine Parade aus der 23. Minute, als er gegen Tarvajärvi im genau richtigen Moment die Linie verliess und mit der rechten Hand das 0:1 verhinderte. In der 86. Minute parierte Wölfli dann noch mit den Fäusten einen Schlenzer von Eremenko, dessen Schuss musste er aber auch zwingend abwehren, die Parade stellte, wie ein festgehaltener Flachschuss aus der 22. Minute, keine weitere Grosstat des insgesamt überraschend viel Ruhe ausstrahlenden Wölfli dar.
Kein Grossmaul wie Jakupovic
Für den 26-jährigen YB-Goalie spricht zudem im Kampf um die Nummer 2 hinter dem gegenwärtig gesetzten Benaglio nicht nur, dass er einige Nati-Spieler aus seiner Zeit in den Junioren-Natis kennt, sondern auch sein Charakter. Während Konkurrent Eldin Jakupovic nach seinem letzten Nati-Auftritt höhere Ansprüche anmeldete und sich damit keine Freunde schuf, blieb Wölfi in den Interviews nach Spielschluss diplomatisch. Für den fröhlichen Teamplayer ist es bereits eine grosse Ehre, es nun in die grosse Nati geschafft zu haben und er akzeptiert die Rolle, welche der Trainer für ihn vorsieht.
Dank Konstanz gute Chancen auf die Nummer 2
Wölfli hat sich in der heimischen Liga zu einem konstanten Goalie gemausert, er konnte seine Fehlerquote senken. Auch gestern blieb er ohne Fehler und Schwächen. Ob sein höchstes Leistungsvermögen allerdings dem des zwei Jahre jüngeren Jakupovics entspricht, der mit seiner Sprungkraft an guten Abend sensationell von Pfosten zu Pfosten hechtet, ist fraglich. Jakupovic und Coltorti, sofern er bei Santander zum Einsatz kommt, können Benaglio wohl eher unter Druck setzen. Doch in der derzeitigen Konstellation hat Wölfli sehr gute Chancen ein fester Bestandteil der Nati zu werden, jeweils mit ihr mitzutrainieren und als erster Ersatz auf der Bank Platz zu nehmen.
RETO ZIEGLER
Durch die Verletzung von Christoph Spycher (der Ludovic Magnin zuletzt etwas den Rang ablief) kam Reto Ziegler zu seiner Chance im Nationalteam und markierte in seinem fünften Länderspiel seinen ersten Treffer. Der Blondschopf, in der Romandie aufgewachsen und bei GC schon mit 16 Jahren Stammspieler, nutzte die Chance, welche ihm Ottmar Hitzfeld gewährte.
Zwar schlug er einige Fehlpässe und wirkte in den Zweikämpfen nach seiner frühen gelben Karte etwas reserviert, doch machte er als Flankengeber und Freistossschütze auf sich aufmerksam und sicherte mit seinem Sonntagsschuss den Sieg.
Der optimale Mix zwischen Defensive und Offensive?
Die linke Seite mit Barnetta funktionierte in den ersten Halbzeit sehr gut. Obwohl Barnetta oft nach vorne drängte, entstanden gegen die offensiv allerdings limitierten Finnen keine Löcher. Ein weiterer Lichtblick: Ziegler kam selbst zum Flanken. Zuletzt hatte man hohe präszise Bälle von der Seite in der Nati schmerzlich vermisst. Ziegler kann sich zwischen dem defensiv manchmal zu sorglosen Magnin und dem defensiv fokussierten Spycher als Zweiweg-Aussenläufer positionieren.
Wichtig: Bei Sampdoria öfter spielen
Der Sampdoria-Söldner hat also einige Argumente für weitere Nominationen und Einsätze gegeben. Für den Linksfuss ist aber wichtig, dass er in seinem Club Sampdoria Genua (wieder) öfters zum Einsatz kommt. Als 22-Jähriger hat er bereits in England (Tottenham und Wigan), Deutschland (Hamburg) und Italien (Sampdoria) gespielt, längerfristig ist er aber nie über den Status des Ergänzungsspielers hinausgekommen. Solange Spycher verletzt ist, hat Ziegler nun gute Chancen zu spielen. Doch auch danach sehen die Perspektiven gut aus, dass der bisherige U21-Captain auch in der Nationalmannschaft eine Rolle spielen kann. Ob dies im Mittelfeld oder der Abwehr sein wird, steht noch in den Sternen.
BLERIM DZEMAILI
Nach fast zwei Jahren Absenz lief Blerim Dzemaili wieder für die A-Nati auf. Der beim FC Torino engagierte 22-Jährige zeigte eine ansprechende Leistung, ragte aber nicht aus der blassen Schweizer Mannschaft heraus. Dennoch deutete er einige Male an, dass er im zentralen Mittelfeld eine lohnenswerte Option ist. Er fiel mit aggressiven Tacklings wie zu seinen besten Zeiten in Zürich auf, versuchte sich auch darin mit langen Bällen etwas für den zähflüssigen Schweizer Spielaufbau zu tun und scheute sich auch nicht, aus grosser Distanz in den Abschluss zu gehen. Haften blieben neben seinen Tacklings vor allem seine überraschende Flanke aus der Drehung nach einer guten Stunde. Diese fand auch den Kopf von Eren Derdiyok, der damit aber nichts anzufangen wusste.
Dank Vorteilen im Offensivspiel in die Stammformation?
Dzemaili hatte noch Mühe mit der Abstimmung, was aber auch nicht verwunderlich war, denn Gelson zog immer wieder zur Mitte und stand ihm manchmal fast auf die Füsse. Vor Gelson, der ein weiteres Mal bestätigte kein Spieler für die Aussenbahn zu sein, wie auch Beni Huggel muss sich Dzemaili nicht fürchten. Er hat realistische Chancen diese beiden zu verdrängen, weil er im Zweikampf ähnlich stark ist, aber in Topform mehr offensive Impulse geben kann. Diese sind auf der zweiten zentralen Position im Mittelfeld auch von Nöten. Denn vom Personal aus der Innenverteidigung kommt im Spielaufbau kaum etwas und Gökhan Inler ist bisher auch nicht fähig, die kreative Last (alleine) zu bewältigen. Dies könnte aber auch bedeuten, dass der Trend hin zu Almen Abdi, Hakan Yakin oder einem wieder genesenen Xavier Margaraiz geht. Dann dürfte Dzemaili bestenfalls nur die Ersatzbank bleiben, denn Inler ist als gesetzt zu betrachten.
Fazit: Für das Trio ein gelungener Abend
Das Trio, welches gestern (wieder) eine Chance erhielt, hat also zumindest ein bisschen Werbung in eigener Sache gemacht und dürfte auch künftig zum Schweizer Aufgebot gehören. Im Falle von Ziegler und Dzemaili kann festgehalten werden, dass sie dem Spiel der Nationalmannschaft weitere Elemente dazufügen können und dementsprechend auch auf regelmässige Einsätze hoffen dürfen.
Von Patrick Haller
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