Gemobbt, gebracht, gefeiert: Marko Pantelic
Gemobbt, gebracht, gefeiert: Marko Pantelic
Ein Leckerbissen: Gojko Kacars Tor zum 1:0 (dpa)

Zwei Serben und ein Slowene trafen beim 2:1-Sieg von Hertha BSC über den FC Köln. Am meisten freute sich aber Marko Pantelic, der als Joker den Siegtreffer erzielte und seine Berliner auf den zweiten Tabellenplatz der Bundesliga schoss.

Rund 90.000 Zuschauer sahen im September 1969 das Spiel zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Köln - bis heute der grösste Besuch, den ein Bundesligaspiel je angezogen hat. Obwohl die Hertha mit einem Sieg gegen den FC auf Tabellenplatz zwei hätte rücken können, kam nicht einmal die Hälfte der damaligen Anzahl ins Olympiastadion, das von den Berliner Verantwortlichen als Hauptschuldiger der schlechten Zuschauerzahlen in der Hauptstadt ausgemacht wurde.

Lucien Favre gab der gleichen Startelf das Vertrauen, die am vergangenen Wochenende mit 3:2 in Bochum gewonnen hatte und sich dann am spielfreien UEFA Cup-Tag ausruhen durfte. Christoph Daum nahm hingegen drei Änderungen vor. Miso Brecko ersetzte den rotgesperrten Kevin McKenna, im Mittelfeld kamen Thomas Broich und Fabrice Ehret an Stelle von Roda Antar und Nemanja Vucicevic zum Zuge.

Die umgestellte FC-Elf machte zunächst einen guten Eindruck, entwickelte bei eigenem Ballbesitz aber zu wenig Zug zum Tor, um Jaroslav Drobny vor Probleme zu stellen. Ganz anders die Hertha, die zwar wie immer für eine Heimmannschaft recht abwartend agierte, in entscheidenden Situationen aber sehr schnell kombinierte.

Die erste grosse Chance hatten dann auch die Berliner, als Gojko Kacar in der 15. Minute nach einer schön getretenen Ecke Andrei Voronins aus zehn Metern zum Kopfball kam und eine Glanzparade Faryd Mondragons erzwang. Es gab eine weitere Ecke, wieder brachte Voronin den Ball gefährlich vors Tor. Noch gefährlicher aber fälschte Youssef Mohamad den Ball ab. Der hinter ihm stehende Geromel konnte kaum noch ausweichen und hatte Glück, kein Eigentor zu erzielen.

Als Pierre Wome zehn Minuten später ein Fehlpass im Spielaufbau unterlief, standen drei Berliner in der Kölner Hälfte gegen fünf FC-Profis. Dieses Missverhältnis war aber egal, denn keiner der Gäste griff auch nur einen Hertha-Spieler an. So konnte Raffael vor dem Strafraum ungestört auf Voronin passen, der wiederum mit dem Aussenrist perfekt auf den durch zwei Verteidiger durchstartenden Kacar legte. Der Serbe schloss eiskalt an Mondragon vorbei zum 1:0 ab.

So zaghaft sich die Kölner vor dem Gegentor verhalten hatten, so entschlossen nahmen sie nun das Spiel in die Hand. Das gab Berlin zwar Gelegenheit zu Kontern, aber die gefährlicheren Chancen entstanden nun vor dem Tor von Drobny. Brecko setzte kurz nach dem 1:0 einen Dropkick, den er sich selbst vorgelegt hatte, gegen die Querlatte. Der vom Abpraller überraschte Milivoje Novakovic konnte seinen Kopfball nicht platzieren, dafür versuchte es Mohamad mit einem Fallrückzieher, der das Tor verfehlte.

Unmittelbar vor dem Pausenpfiff gelang Köln dann aber doch noch etwas überraschend der Ausgleich. Novakovic bereitete sein eigenes Tor selbst vor, bediente Ehret auf der linken Seite. Dessen Flanke erlief sich der Slowene und köpfte vor Arne Friedrich und Josip Simunic platziert in den linken Torwinkel.

Ein munteres und leicht überdurchschnittliches Bundesligaspiel sahen die 40.000 auch nach dem Seitenwechsel. Die besseren Chancen boten sich aber nun wieder der Hertha. Mondragon konnte Voronins tückisch aufsetzenden Schuss aus 18 Metern nur knapp um den Pfosten lenken (51.) und Ehret klärte Ciceros Kopfball für seinen geschlagenen Keeper auf der Torlinie (58.).

Nach 69 Minuten brachte Favre seinen vermeintlich gemobbten Goalgetter Marko Pantelic für Cicero ins Spiel. Nach drei Minuten traf der zum ersten Mal ins Netz. Allerdings hatten Schiedsrichter Lutz Wagner und seine Assistenten eine knappe Abseitsstellung ausgemacht.

Die Berliner Chancen häuften sich, aber Raffael und der ebenfalls eingewechselte Valeri Domovchiyski verfehlten das Kölner Tor knapp. Vier Minuten vor Spielende war es dann aber doch soweit: Eine Ecke des dritten Jokers Patrick Ebert nahm Pantelic am kurzen Pfosten mit dem Kopf und traf genau in den Winkel, davon begünstigt, dass der am Pfosten postierte Broich nicht hochstieg.

Es war ein später, ein knapper und ein glücklicher Sieg für die Hertha. Es war aber auch ein verdienter Erfolg, der die Berliner auf den zweiten Tabellenplatz emporsteigen lässt, während der FC genau in der Mitte zwischen Abstiegsplätzen und Champions League verharrt und demnächst den HSV erwartet.

Für die Hertha wartet derweil ein schweres Auswärtsspiel auf Schalke. Nächsten Mittwoch empfängt Hertha aber erst einmal Galatasaray zum wichtigen UEFA Cup-Spiel. Dann ist das Olympiastadion vielleicht endlich mal wieder ausverkauft. Verdient hätte es die Mannschaft mindestens ebenso wie die von 1969.

Telegramm:

Hertha Berlin - 1. FC Köln 2:1 (1:1)

Olympiastadion. -- 40 704 Zuschauer. -- Tore: 24. Kacar 1:0. 45. Novakovic 1:1. 86. Pantelic 2:1. -- Bemerkung: Hertha ohne Lustenberger und von Bergen.

Daniel Raecke

Werbung

Live-Ticker

Heute stehen keine Live-Ticker auf dem Programm