Gladbach rutscht in den Keller - Mannschaft desolat
Gladbach rutscht in den Keller - Mannschaft desolat
Hans Meyer sieht schwere Wochen auf sich zukommen (Imago)

Ohne Übertreibung darf man von einer desolat agierenden Gladbacher Mannschaft sprechen, die selbst dem Wortakrobaten Hans Meyer nach der Niederlage gegen Cottbus eine gewisse Sprachlosigkeit in das Gesicht zauberte, dass nach der kurzen Rentenabstinenz schon wieder sichtlich gezeichnet war.

Bei den Fohlen geht nach der wohl schlechtesten Saisonleistung die Angst vor dem dritten Bundesliga-Abstieg nach 1999 und 2007 um. "Das ist alarmierend. Wir stehen nicht zufällig dort, wo wir stehen", bekannte Meyer nach dem 1:3 im Kellerduell mit Energie Cottbus und dem Sturz in den tiefen Tabellenkeller.

Der leblose Auftritt der Borussia machte dem Fussball-Lehrer endgültig klar, auf welch schwierige Mission er sich bei seinem Amtsantritt Mitte Oktober eingelassen hat: "Das war ein Schlag gegen alle Hoffnungen. Wir haben unter meiner Regie noch nicht ein Spiel erstligareif durchgespielt."

Umbau zwingend erforderlich

Die in Krisenzeiten branchenüblichen Durchhalteparolen gab es im Anschluss an die bereits fünfte Mönchengladbacher Heimschlappe von Meyer nicht zu hören. Das Eigentor von Michael Bradley (17.) und die Treffer von Dennis Sörensen (51.) und Emil Jula (85.) nahmen ihm alle Illusionen, mit dem aktuellen Kader eine Kehrtwende einleiten zu können.

"Das, was in den ersten 40 Minuten passiert ist, habe ich in meiner langen Laufbahn noch nicht erlebt", klagte Meyer. Nur ein Umbau des Teams in der Winterpause kann das drohende Unheil nach seiner Einschätzung noch abwenden: "Wir brauchen zwei, drei neue Spieler, damit die Balance der Mannschaft eine andere wird."

Auf den spielerischen Offenbarungseid des Teams reagierten die Fans mit einem Sitzstreik vor der Stadion-Ausfahrt der Profis. Selbst gegen den schlechtesten Sturm der Liga, der in den vorigen sieben Auswärtsspielen nur drei Treffer erzielt hatte, trat die Abwehrschwäche der Gladbacher offen zutage. "So können wir uns nicht präsentieren", befand Flügelflitzer Marko Marin. Nur in den Minuten nach dem 1:2-Anschlusstreffer durch den in der Defensive völlig indisponierten Steve Gohouri (59.) war engagierte Gegenwehr erkennbar.

Routine im Abstiegskampf

Die Gäste lieferten Anschauungsunterricht, wie man im Kampf um den Klassenverbleib bestehen kann. Lauf- und spielfreudig kontrollierten sie die Partie und verbuchten zwei Wochen nach dem ersten "Endspiel" gegen Karlsruhe (1:0) weitere Big Points. Der erste Blick auf die Tabelle kurz nach dem Abpfiff bereitete Timo Rost grosse Freude: "Es ist schön, dass wir erstmals in dieser Saison nicht auf einem Abstiegsplatz stehen, aber das ist nur eine Momentaufnahme."

Die Nervenstärke zur rechten Zeit kommt nach Meinung des Kapitäns nicht von ungefähr: "Wir verfügen über Erfahrung im Abstiegskampf und lassen uns deshalb nicht so schnell nervös machen. Mit diesem Sieg haben wir ein Zeichen gesetzt."

Immerhin sechs Punkte verbuchte Energie aus den vergangenen drei Spielen - und widerlegte damit all jene, die das Team schon vor Wochen zum Absteiger Nummer eins erklärt hatten. Der Stolz über den dritten Saisonerfolg stand Trainer Bojan Prasnikar ins Gesicht geschrieben: "Wir sind mit viel Mut und mit Siegeswillen in dieses Spiel gegangen. Das hat man der Mannschaft angemerkt." Nicht minder gross war die Freude bei Torhüter Gerhard Tremmel: "Das war einfach ein geiles Spiel."

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