
Die Schweizer Handball Nationalmannschaft befindet sich im Aufwind. Nach dem deutlichen Sieg in Brixen gegen Italien (30:23) und der mehr als respektablen Niederlage gegen die russische Weltklasseauswahl (30:31) scheint die Qualifikation für die EM 2010 in Österreich in Reichweite.
Gegen die ''Sbornaja'' führte das Team von Neo-Coach Goran Perkovac nach 36 Minuten noch mit 8 Toren und alles deutete auf eine Überraschung hin. Mit Serbien (Mittwoch 19:30, Saalsporthalle Zürich) und Bosnien (Samstag 20:00, Sarajewo) warten in dieser Woche die zwei nächsten, schweren Brocken. Das Spiel gegen die serbische Auswahl ist wegweisend für die kommenden Qualifikationsspiele, Grund für sportal.ch, zwei Leistungsträger und ihr neuer Trainer Goran Perkovac näher zu betrachten.
Andy Schmid: Auf Perkovacs Spuren
Andy Schmid gilt als einer der wichtigsten Leistungsträger der Nationalmannschaft. Der Luzerner Rückraum Mitte Spieler führt den Angriff beim aktuellen Meister Amicitia Zürich und in der Auswahl der Schweiz. Schon als kleiner Junge durfte sich Schmid ganz in der Nähe seines heutigen Trainers aufhalten.
Mit zehn Jahren war der Mittelmann tätig als Bodenwischer bei Borba und erlebte den Titelgewinn der Luzerner mit Goran Perkovac hautnah mit: ''Perkovac war in dieser Mannschaft der beste Spieler und alle Junioren, so auch ich, haben zu ihm hoch geschaut.''
Als Spieler profitiert Schmid heute von der langjährigen Erfahrung und dem Auge fürs Spiel seines Coaches, der auf derselben Position grosse Erfolge, unter anderem eine Olympiagoldmedaille, feiern konnte. Über die serbische Auswahl weiss Schmid vorwiegend positives zu berichten: ''Für mich sind sie die Favoriten auf den Gruppensieg, das Team ist auf jeder Position doppelt besetzt, mit Spielern von aussergewöhnlichem Kaliber, und sie werden uns nach unserem Auftritt gegen die Russen sicher nicht unterschätzen.''
Optimismus trotz schwerwiegender Ausfälle
Auf die beiden verletzten Teamstützen Stauber und Fellmann angesprochen, meint Regisseur Schmid: ''Fellmann ist der beste Verteidiger und kann nicht adäquat ersetzt werden, jetzt müssen wir alle in der Deckung noch beherzter zur Sache gehen. Den Verlust von Stauber können wir dank der Rückkehr von Antoine Ebinger kompensieren.''
Das kurzzeitige Comeback des Routiniers ist für Schmid eine grossartige Sache: ''Dieser Entscheid ist typisch für Aschi (Antonie Ebinger, die Red.) und seinen grossartigen Charakter, ich war mir sicher er würde sich dazu durchringen, alles zu tun um der Mannschaft zu helfen.'' Trotz aller Widrigkeiten bleibt Schmid optimistisch: ''Wir können und wir werden gegen Serbien gewinnen!''
Fellmann, ein Verteidiger mit Herz und Seele
Der Konterpart von Schmid bildet Daniel Fellmann, seit Juniorenzeiten spielten die beiden immer im selben Team. Angefangen bei Borba Luzern über Stans/Zentralschweiz bis schliesslich bei GC und Amicitia Zürich. Fellmann ist Defensivspezialist, zuständig für Organisation und hartes Zupacken in der Verteidigung. Dass er dabei auch einstecken muss, wird ersichtlich an der Vielzahl seiner Verletzungen, die ihn in den vergangenen Jahren plagten. Momentan wird der Luzerner von einem Bruch des Mittelfussknochens ausser Gefecht gesetzt. Für die kommenden zwei Partien steht er deshalb nicht zur Verfügung.
EM Teilnahmen und verpatzte Qualifikationen
Sowohl für Schmid als auch für Fellmann ist Perkovac der dritte Trainer in der Nationalmannschaft. Die beiden erlebten eine EM-Teilnahme im eigenen Land unter Coach Arno Ehret und zwei verpasste Qualifikationen unter Trainer Dragan Djukic.
Angesprochen auf die Unterschiede zwischen Djukic und Perkovac, vor allem in Bezug auf die Verteidigung meint Fellmann: ''Zwar wurde bislang unter beiden Trainern ein ähnliches System praktiziert (6:0), jedoch ist die Interpretation völlig unterschiedlich. Bei Perkovac muss alles viel aggressiver sein und man verlässt sich weniger auf Stellungsspiel und Block.''
Diese Aggressivität ist ein Markenzeichen Perkovacs, sie wurde schon erfolgreich bei den Kadetten Schaffhausen angewendet, der letzten Wirkungsstätte des neuen Nationaltrainers. Trotz dieser martialisch anmutenden Haltung, zeigt sich Perkovac seinen Schützlingen gegenüber ''offen und sehr fokussiert, aber auch strikt - vor allem was die Einhaltung von Abmachungen angeht.'' so Fellmann.
Im Vergleich zu Vorgänger Djukic macht der Wahlzürcher Fellmann dennoch einen grossen Unterschied aus: ''Goran (Perkovac, die Red.) ist nicht so verbissen, sondern sieht das ganze als Challenge. Er hat eine gewisse Lockerheit und gibt den einzelnen Spielern mehr Spielraum.''
Stanic, ein alter Bekannter zurück in der Saalsporthalle
Beim nächsten Gegner Serbien wird Fellmann auf einen alten Bekannten treffen. Torhüter Darko Stanic spielte mit Schmid und Fellmann in der Saison 05/06 bei den Grasshoppers Zürich und machte Schlagzeilen mit einer positiven Dopingprobe. Nach Ablauf der Sperre wechselte der explosive Goalie in die slowenische Liga zu Cimos Koper.
Djukic als gute Zwischenlösung
Das Hauptproblem des zwischenzeitlichen Niedergangs des Schweizer Handballs findet Fellmann beim langjährigen Selektionär Arno Ehret. ''Dieser'', so Fellmann ''wollte ein Spielsystem aufziehen, welches mit den vorhandenen Spielern gar nicht umsetzbar war. Dragan Djukic dagegen passte das System dem Spielermaterial an, kannte den Schweizer Handball letztendlich aber zu wenig.''
Ein weiteres Manko ist nach dem Verteidiger die dünne Spielerdecke: ''Wir haben noch nicht genügend Spieler, die auf internationalem Niveau spielen, folglich können wir nicht wechseln und erleben Einbrüche wie gegen Russland. In absehbarer Zeit könnte sich dies aber ändern.''
Die Hoffnung und das Ziel alles zu geben, bleibt den beiden Internationalen Schmid und Fellmann, so dass in absehbarer Zeit die Schweiz wieder auftaucht auf der Landkarte des internationalen Handballs.
Von Tobias Hodel
Werbung
Live-Ticker
| Heute stehen keine Live-Ticker auf dem Programm |
Bildergalerien
ASL 18. Runde: Basel platt
FC Zirkus München
Yakin: Von GC zu El Gharafa
Happyend für Werder Bremen
Rückkehr der Duselbayern








