
21 Tage nach der bitteren Heimniederlage gegen Russland (30:31) empfängt das Schweizer Handball-Nationalteam in Zürich mit Serbien den Leader der EM-Qualifikationsgruppe 2. Vor eigenem Publikum darf die SHV-Auswahl keine weiteren Punkte mehr verlieren. Spielmacher Andy Schmid kennt die taktische Formel.
Im europäischen Wettbewerb haben die Schweizer Teams am letzten Wochenende gute Visitenkarten platziert. Die beiden Branchenleader Amicitia Zürich und Kadetten Schaffhausen, die mit zehn Spielern im Stamm des Nationalteams vertreten sind, erreichten den Achtelfinal des Cupsieger-Cups. Die phasenweise brillante Leistung gegen Russland war wohl mehr als eine Momentaufnahme. Im Europacup bestätigten (vor allem) die Spieler mit Schweizer Pass ihre Fortschritte.
Die Schlüsselfigur beim Prestigesieg von Amicitia gegen den spanischen Top-Klub Ademar Leon führt auch in der Nationalmannschaft Regie: Andy Schmid. Der 25-jährige Mittelmann spielte mit den Zürchern in der Champions League eine respektable Rolle. Zusammen mit dem dänischen Europameister Lars Christiansen (Flensburg-Handewitt) und dem Serben Marko Vujin (Veszprem) führt der 49-fache Torschütze die Topskorerwertung nach der Vorrunde an.
Schmid kamen die Partien auf höchstem internationalem Level zupass: "Für mich ist es ideal, dass wir am letzten Sonntag gegen Leon antreten mussten. Eine Umstellungszeit werde ich kaum mehr benötigen. Die Form und der Rhythmus stimmen." Er habe in der Champions League einen weiteren Schritt nach vorne machen können, denkt Schmid. "Durch die guten Spiele in der Champions League habe ich an Selbstbewusstsein gewonnen. Ich weiss, dass ich mit einer guten Leistung auch auf hohem Niveau etwas bewegen kann."
Gegen die Serben rechnet Schmid mit einer ungemein harten Angelegenheit. Das Team vom Balkan sei keinesfalls tiefer einzuschätzen als die Russen. Für die Schweiz kommt ein Coup nur in Frage, wenn es ihr gelingt, die Gäste auszukontern. Im Gegenstoss zählt die Equipe von Goran Perkovac zum vorderen Drittel in Europa. Diese Taktik funktioniert indes nur, wenn die Schweizer (wieder) erstklassig verteidigen und die Absenz des verletzten Abwehrspezialisten Daniel Fellmann kompensieren können.
Serbische Wurfkraft und Schmids Auslandplan
Zehn bis zwölf Akteure bewegen sich auf einem international beachtlichen Standard. Im Gegensatz zur Schweiz steht Nationalcoach Jovica Cvetkovic eine ganze Reihe von valablen Shootern zur Verfügung. Vujin, der Gummersbacher Momir Ilic oder Vukasin Rajkovic von Kopenhagen sind mit ihrer Wurfkraft in der Lage, eine Deckung zu zerzausen. "Wenn man mit einer flachen Abwehr spielt, hat man gegen sie keine Chance. Ein 3-2-1 wäre das richtige Mittel", lautet Schmids taktische Formel.
Das Gros ist seit Jahren im Ausland beschäftigt. "Die Serben wechseln aufgrund der schwierigen Situation in ihrem Land meist sehr früh zu ausländischen Klubs", nennt Schmid einen Hauptunterschied zur Schweizer Equipe, die sich zu hundert Prozent aus NLA-Spielern zusammensetzt. Er selber wird Ende Saison den gleichen Weg wie die Serben einschlagen: "Im Sommer ist die Zeit für einen Wechsel reif."
Sein Sportstudium an der Uni Bern will Schmid noch vor dem Jahreswechsel in den wesentlichen Punkten abschliessen. Nur das Nebenfach ist noch offen, was den Schweizer Leader aber nicht vom Transfer in den Norden abhalten dürfte. Die dänische Liga wird er nach dem aktuellen Verhandlungsstand der Bundesliga vorziehen. Aus dem Land des Europameisters liegt ihm eine konkrete Offerte vor.
Ex-Trainer Djukic: "Gehe von 50:50-Konstellation aus"
Vor der eigenen Zukunft will Schmid nun aber heute Mittwoch in der womöglich ausverkauften Saalsporthalle zunächst jene der Nationalmannschaft in eine positive Richtung lenken. Unter die Beobachter wird sich auch Dragan Djukic reihen. Der serbische Vorgänger von Perkovac kennt beide Equipen in- und auswendig. "Ich gehe von einer 50:50-Konstellation aus. Eine weitere Heimniederlage der Schweiz wäre aber wahrscheinlich mit dem frühzeitigen Out gleichzusetzen", erklärte Djukic.
Die guten Resulate im Europacup wertet Djukic, der in seiner Heimat derzeit als Leiter von Coaching-Seminaren tätig ist und auf Angebote wartet, als "wichtige Signale". "Meine ehemaligen Boys sind in Form. Aber das Gleiche gilt auch für die Serben. Sie könnten sich mit Siegen gegen die Schweiz und Russland in dieser Woche der EM-Endrunde entscheidend nähern."
Von Sven Schoch (Si)
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