
Nach vier Pflichtspielen zieht sportal.ch ein Zwischenfazit. Was konnte der neue Trainer Goran Perkovac bewegen, wie stehen die Chancen sich für die EM-Endrunde im Nachbarland Österreich zu qualifizieren?
Nach dem sensationellen, letztendlich aber doch verpatzten Auftritt gegen die russische Auswahl in Aarau, war die Handball-Nati gegen Serbien und Bosnien-Herzegowina gefordert, wollte man die Chance zur Qualifikation wahren, mussten Punkte her.
Schweiz - Serbien 32:32 - Punktgewinn in extremis
Trotz dem Ausgleich in letzter Sekunde hinterliess das Heimspiel in der vollgepackten Saalsporthalle, ähnlich wie der Auftritt gegen die russische Auswahl, gemischte Gefühle. Dies vorwiegend darum, weil die Ansprüche an die Nationalmannschaft gestiegen sind. Vor Jahresfrist wäre ein ähnlicher Teilerfolg in einem Trainingsspiel wohl noch frenetisch gefeiert worden, so waren die Akteure des Heimteams nach getaner Arbeit zwar zu frieden, hätten sich aber doch etwas mehr gewünscht.
Bosnien-Herzegowina - Schweiz 34:23 - Chancenlos im Auswärtsspiel
Die zweite Partie gegen die schwächer eingestuften Bosnier wird als kollektives Negativerlebnis in Erinnerung bleiben. Einzig die Startviertelstunde konnte ausgeglichen gestaltet werden, danach war es einzig dem reaktivierten Torhüter Antoine Ebinger zu verdanken, dass sich die Niederlage nicht schon vor der Schlussviertelstunde so deutlich abzeichnete.
Schlechteste Partie unter Perkovac
Der Unterschied zwischen Heim- und Auswärtsbegegnung wird in Handball-Fachkreisen bei einer Differenz von etwa 8 Toren verortet. Die Begegnung in der aufgeheizten Sportska Dvorana Arena zu Sarajevo bewahrheitete diese alte Annahme wieder einmal. Auch schwächer eingestufte Teams können zu Hause den Favoriten Punkte oder gar Siege abringen.
Trotzdem darf die Niederlage nicht beschönigt werden und die Partie wird als bisher schlechteste in die noch kurze Amtszeit von Coach Perkovac eingehen. Ungewohnte Fehler und zuwenig kompromissloses Deckungsspiel, beides in der vorangegangenen Spielen Stärken des Schweizer Teams, zeichneten das Spiel der ersatzgeschwächten Nationalmannschaft aus.
Positive Reaktion in der Kabine
Trotz hängender Köpfe direkt nach der Partie und einer Bekundung der Enttäuschung durch Perkovac, fand der Neo-Coach schon nach wenigen Minuten noch in der Kabine die richtigen Worte, um das gesamte Team wieder aufzurichten und dennoch jeden zur nötigen Selbstkritik zu bewegen. Der Erfolgstrainer scheint auch in schwierigen Situationen die richtigen Mittel zu kennen und überzeugt in der Niederlage. Auch von Verbandsseite erfuhren die Spieler noch in den Katakomben Aufmunterung. Eine Geste, die so in den letzten Jahren nicht selbstverständlich gewesen wäre.
Mannschaft mit Potential
Den Verdienst des neuerlichen Aufschwungs alleine auf die Person von Perkovac zu schieben, wäre ungerecht, vor allem seinem Vorgänger Djukic gegenüber, welcher die Neuformierung der heutigen Mannschaft massgeblich prägte. Auch muss die Tatsache angemerkt werden, dass mit Liniger und Ursic zwei Akteure mit Bundesligavergangenheit das Team anführen und mit Schmid ein Rückraumspieler Regie führt, der in der vergangenen Champions League Kampagne des ZMC Amicitia Zürich mit durchwegs hervorragenden Leistungen auf sich aufmerksam machte, Qualität in der Mannschaft also vorhanden ist.
Die Herangehensweise - auch die Kaltschnäuzigkeit - mit welcher Perkovac den Erfolg sucht, verdient dennoch höchste Beachtung. Der kroatische Alt-Internationale kann seine Spieler perfekt einschätzen und verlangt ihnen alles ab, ohne aber, dass die teils noch sehr jungen Protagonisten am Druck zerbrechen.
Wie stehen die Chancen nun?
Nach den ersten vier Spielen scheint eine Qualifikation für die EM-Endrunde unrealistisch. Die Spitzenteams Serbien und Russland scheinen den Durchmarsch zu absolvieren. Um noch eine Chance auf die Teilnahme an den Meisterschaften in Österreich zu haben, müssten die Schweizer einer dieser Grossen auswärts besiegen.
Ein Unterfangen, das trotz des verbesserten Auftretens einer gewaltigen Überraschung gleich käme. Die Hoffnung, und das wird beim Gespräch mit jedem Mitglied der Nationalmannschaft klar, bleibt und stirbt zuletzt. Die Entscheidung um den Einzug an die EM-Endrunde wird erst im nächsten Juni fallen, nach einem vermutlich problemlosen Aufgalopp gegen die Färöer im März.
Perkovac, das Alpha-Tier - die richtige Wahl für die Schweiz
Trotz erstem Rückschlag ist Selektionär Perkovac in der Nationalmannschaft und im Umfeld unbestritten. Keiner der Spieler stellt seine Autorität in Frage, Kritik an Coaching oder Spielerpolitik sind absolutes Tabu. Im Gegenteil wird die Kooperationsbereitschaft und die gute Kommunikation des Coaches betont.
Der Schweizer Handball Verband hat mit dem gebürtigen Kroaten die richtige Wahl getroffen, für die Nationalmannschaft und den Schweizer Handball ist er die Leaderfigur für die Zukunft.
Von Tobias Hodel
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