
von Toni Nötzli (Si), Peking
Mit dem Gewinn der Bronzemedaille hat Nino Schurter einen weiteren Schritt in seiner erfolgreichen Karriere gemacht. Vom Bündner Mountainbiker sind in Zukunft weitere Triumphe zu erwarten. Gold in vier Jahren in London ist das hohe Ziel.
Über lange Distanzen sei er noch nicht so gut, und in Sachen Disziplin sei er nicht immer ein Vorbild, zählt Nino Schurter seine bescheidenen Schwächen auf. Aber so gut wie in diesem Jahr hat der Bündner noch nie trainiert: "Ich bin nicht mehr so oft mit den Kollegen in den Ausgang gegangen. Schliesslich musste ich schon der Qualifikationsphase gute Ergebnisse erzielen, um überhaupt in die Olympia-Selektion zu gelangen."
Mental ist Nino Schurter stark belastbar, und er verfügt über eine grosse Rohkraft: "Das kam mir auf der Olympiastrecke entgegen." Dennoch musste der 22-Jährige abreissen lassen, als Julien Absalon attackierte. Auch gegen Jean-Christophe Peraud fand der Bündner kein Rezept. "Ich bin überglücklich über diese Bronzemedaille", hielt Schurter 24 Stunden nach seinem Einsatz fest. Aber auch: "Für das MTB-Team Schweiz hatten wir mehr erwartet. Anstelle der Franzosen hätten wir ganz vorne sein müssen."
Seit ziemlich genau einem Jahr ist der gelernte Mediamatiker Vollprofi und stellt nüchtern fest, er könne sehr gut von seinem Sport leben: "In meinem Beruf würde ich weniger verdienen." Zudem kann Nino Schurter das machen, was ihm wirklich gefällt. Mit der von Andi Seeli und Thomas Frischknecht geleiteten MTB-Sportgruppe hat der Bündner für die nächsten zwei Saisons unterschrieben, obwohl ihm von anderen Teams bessere Offerten vorgelegen hatten: "In den letzten Jahren hatte ich ein sehr gutes Umfeld. Frischknecht bringt dem Team viel. Das Rennprogramm wird vermehrt auf den Weltcup ausgerichtet, was den Absichten von Florian Vogel und mir entgegenkommt." Die Bronzemedaille entspricht gemäss Schurter einem Bonus von drei bis vier Monatslöhnen und beschert ihm dank einer Vertragsklausel in den beiden kommenden Jahren ein höheres Fixum.
"Als Skirennfahrer war ich nicht so gut", hält Schurter zu seinen ersten sportlichen Schritten fest. Durch das Sommertraining mit dem Bike kam er zu seiner Sportart, in der er seine Ziele in der Regel erreichte und deshalb nie auf den Gedanken kam, sein Mountainbike zur Seite zu stellen. Vor vier Jahren, als er Frischknecht, Sauser und Ralph Näf in Athen fahren gesehen hatte, begann Schurter von Olympia zu träumen: Er bestritt sein letztes Junioren-Jahr und wurde wenig später Weltmeister. "Dann habe ich begonnen, an Peking zu denken." Jetzt gehen die Gedanken Richtung London: "Das ist mein grosses Ziel. Mit 26 Jahren bin ich dann im optimalen Alter. Bis dahin will ich auch im Weltcup und bei den Weltmeisterschaften vorne sein. Ob ich dereinst die Mountainbike-Szene dominieren werde? Es ist auch ein Ziel von mir, Absalon zu schlagen. Aber er ist eine Ausnahme-Erscheinung. Zweimal Olympia-Gold kann ich kaum erreichen."
Vor 24 Jahren zogen Nino Schurters Eltern vom Zürcher Oberland nach Tersnaus, ein Dorf im Bündner Oberland mit 80 Einwohnern. Vater Ernst ist seit Jahren Nationalcoach der Downhiller. "Ich fühle mich als Bündner", sagt Nino Schurter -- und findet doch noch eine weitere Schwäche: "Mein Rätoromanisch ist nicht so der Hammer."
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