
Nach der 25. Austragung verabschiedet sich das Zürcher Frauenturnier (vorerst) aus dem Kalender der WTA-Tour. Was 1984 in relativ kleinem Rahmen mit dem Sieg von Zina Garrison begonnen hat, endet in einer Woche mit über vierfachem Budget im Hallenstadion, dem grössten Schweizer Event-Tempel.
Zwischen 1984 und 2008 lagen Jahre der unglaublichen Dominanz von Steffi Graf und das viel beachtete Debüt im Profi-Tennis der damals 14-jährigen Martina Hingis. Zwei Standortwechsel, mehrere Namensänderungen und der Aufstieg zu einem Turnier, an dem die Weltspitze fast geschlossen am Start war, prägten die Geschichte des Anlasses ebenfalls.
1984: Das Frauen-Turnier fängt ziemlich klein an. Der 30-jährige Turnierdirektor René Stammbach (heute Präsident von Swiss Tennis) verfügt über ein Budget von 1,4 Mio Franken, lockt aber immerhin 12 000 Zuschauer in die Saalsporthalle. Dort sehen die 1700 Fans im Final den Sieg der Texanerin Zina Garrison gegen die Deutsche Claudia Kohde. Ein Jahr später triumphiert die Amerikanerin erneut.
1986: In Zürich beginnt die Ära von Steffi Graf. Bei ihrer ersten Teilnahme holt sich die 17-jährige Deutsche gleich den Titel. Fünf weitere folgen 1987, 1989, 1990, 1991 und 1992. Nie sollte sie in Zürich ein Einzel verlieren. Da ist es schon fast ein "Anfängerfehler", dass sie im 86er-Final den Startsatz gegen Helena Sukova abgibt.
1993: Das Zürcher Turnier macht einen Quantensprung. Es schafft den Aufstieg zum Tier-I-Turnier und damit auf die höchste Stufe unterhalb der Grand-Slam-Events. In diesem Jahr heisst das Turnier "Barilla Indoors"; deshalb werden hinter der Saalsporthalle Spaghetti gekocht, während es in der Halle Schweizer Kost zu geniessen gibt: Manuela Maleeva-Fragnière gewinnt als erste Einheimische in Zürich.
1994: Martina Hingis betritt drei Tage nach ihrem 14. Geburtstag die Bühne. Die Halle ist mit 4500 Zuschauern ausverkauft, das Schweizer Fernsehen überträgt die Partie gegen Patty Fendick live und über 200 Journalisten sind akkreditiert. Das Echo beim Debüt des Wunderkindes ist gewaltig. Hingis enttäuscht die Erwartungen nicht; sie gewinnt gegen die Weltnummer 45 aus den USA 6:4, 6:3. Überrascht von ihrer Leistung ist sie später aber nicht. An der Pressekonferenz sagt sie ganz ruhig: "Ich habe schon bessere Spielerinnen geschlagen als Patty Fendick."
1998: Ein Jahr nach dem Umzug von der Zürcher Saalsporthalle in den Klotener Schluefweg macht eine Meldung neben dem Court die grösste Schlagzeile. Mitten im Turnier -- am Donnerstag, 15. Oktober -- wechselt der Event den Namen. Swisscom wird Hauptsponsor des Turniers, das ab sofort nicht mehr European Championship sondern "Swisscom Challenge" heisst.
2000: Das Hingis- und Rekordjahr! Im sechsten Anlauf gelingt Hingis endlich der erste Triumph in der Schweiz. In einem hochklassigen Final ringt sie Lindsay Davenport nieder und bleibt so die Weltnummer 1. Ein Erfolg ist das Turnier auch für das OK. Mit insgesamt 43 580 Zuschauern verzeichnet der Anlass den bis heute gültigen Zuschauerrekord.
2002: Nach dem Abgang von Martina Hingis springt Patty Schnyder für das Schweizer Publikum in die Bresche. Die Baselbieterin feiert in Kloten den grössten Erfolg ihrer Karriere und gewinnt -- nach abgewehrtem Matchball gegen Davenport -- als erste ungesetzte Spielerin die Swisscom Challenge. Als Belohnung qualifiziert sie sich für das Masters der 16 Besten am Saisonende in Los Angeles. Der Final Schnyder - Davenport verzeichnet mit 40,2 Prozent Marktanteil bei SF DRS einen beachtlichen (Tennis-)Wert.
2003: Kloten begrüsst eine neue Nummer 1 -- eine Premiere in der 20-jährigen Turniergeschichte! Justine Henin-Hardenne schlägt im Final Jelena Dokic und übernimmt die führende Ranking-Position von Landsfrau Kim Clijsters. Für die letzte Etappe der Besteigung des Gipfels benötigt Henin-Hardenne nur noch 50 Minuten -- dann ist Dokic 6:0, 6:4 besiegt.
2006: Der Umzug vom Klotener Schluefweg ins neue Zürcher Hallenstadion (2005) wird vom Publikum nicht wie erhofft goutiert. Die 40 000er-Marke wird nicht mehr überschritten. Auch "Comebackerin" Martina Hingis kann den Zürcher Event-Tempel nicht ganz füllen. Am Ende dominieren die Osteuropäerinnen. Die Fans sehen einen packenden "Mannequin-Final" zwischen Maria Scharapowa und Daniela Hantuchova -- und den ersten russischen Triumph in der Schweiz.
Von Stefan Wyss (Si)
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