Immer für einen Spass zu haben: Der sonst kahle Didier Cuche mit Perücke.(© reuters)

Immer für einen Spass zu haben: Der sonst kahle Didier Cuche mit Perücke.

Didier Cuche, Sie sind 35 Jahre alt und schon seit 17 Jahren im Weltcup. Was treibt Sie noch an?

Mein Ziel ist es, mich immer mehr der Perfektion zu nähern. Vollständige Perfektion gibt es zwar nicht, aber man kann ihr sehr nahe kommen. Dazu muss man sich vom Resultat lösen können. Zurzeit weiss ich noch nicht, ob es meine letzte Saison wird oder nicht. Das wird von meiner Gesundheit und Motivation abhängen.

Wird Olympiagold - die einzige Medaille, die Ihnen noch fehlt - über Ihren weiteren Karrierenverlauf entscheiden?

Es ist klar, dass die Olympischen Spiele DAS Rendez-vous des Winters sind. Aber das verändert mein Vorgehen nicht. Ohne gute Resultate vor den Spielen darf man nicht zu stark von Vancouver träumen. Es wäre schon eine unglaubliches Chance, wenn ich nochmals teilnehmen könnte (Anm.d.Red. nach den Spielen 1998, 2002 und 2006).

Neben Olympiagold fehlt Ihnen auch noch der Sieg im Gesamtweltcup.

Es stimmt: Die grosse Kristallkugel und olympisches Gold wären der schönste Karrieren-Ausklang, den man sich vorstellen kann. Aber es wäre auch nicht das Ende der Welt, wenn ich ohne diese Einträge in meinem Palmarès aufhören müsste.

Aber es würde Ihnen Leid tun?

Nein, ich denke nicht.

In den letzten drei Jahren hat Ihnen nur wenig zum Gesamtweltcup gefehlt.

Genau diese drei Saisons haben mir geholfen, ruhiger zu werden. Wenn ich ein Rennen gewinnen will, muss ich die Strecke spüren. Mein Blick auf den Wettkampf hat sich stark verändert. Aber es ist auch klar, dass ich ohne die Superkombinationen den Weltcup dreimal gewonnen hätte. Das ist auch meine Schuld. Wäre ich in meiner Jugend seltener verletzt gewesen, hätte ich mehr Slalom trainieren können. Heute trainiere ich ein wenig Slalom, um einen zusätzlichen Trumpf in den Händen zu haben. Letzte Saison habe ich den Gesamtweltcup im Dezember verloren. Ich sah eine Möglichkeit zum Gesamtsieg - und habe zu stark forciert. Aber ich habe immer versucht, um das Thema Gesamtweltcup herumzukommen, damit ich mich auf meine Stärken konzentrieren konnte.

Ist Ihr Rückstand im Slalom auf Ihre Konkurrenten wirklich so gross?

Im Sommertraining umkurve ich vielleicht 2000 bis 3000 Slalomstangen - die anderen fünfmal mehr! Ich kann streckenweise gut fahren. Über zwei oder drei Tore muss ich mich vor den Spezialisten nicht verstecken.

Haben Sie sich nie gesagt: Dieses Jahr konzentriere ich mich auf den Slalom?

Nein, es darf nicht auf Kosten der anderen Disziplinen gehen. Ich muss auch einräumen, dass ich letztlich doch Lichtjahre davon entfernt bin, was es im Slalom brauchen würde...

Nun der Saisonstart in Sölden. Lange sagte Ihnen die Piste nicht zu. Dann letztes Jahr der 2. Rang...

...aber dort hatte ich schon früher häufiger den Eindruck, dass ich es in den Füssen habe.
(Interview: Daniel Burkhalter/TSR, Übersetzung: boe))